Fußballtaktik
Unter Fussballtaktik versteht man ganz kurz gesagt wie das Spiel gestaltet werden soll. Also eigentlich nichts anderes als die Vorgehensweise der Mannschaft um ein Fußballspiel möglichst erfolgreich zu gestalten. Aber auch hier ist das Problem der Gegner. Der hat wohl ebenfalls eine Fußballtaktik mit demselben Ziel.
Die Fußballtaktik ist eine festgelegte Spielweise der Fußballmannschaft
Die Kunst des Fußballtrainers ist es, seinen Spielern eine gemeinsame Vorgehensweise zu vermitteln. Dabei muss er eine Taktik wählen, welche die Mannschaft auch umsetzen kann. Er sollte darauf achten, dass die Taktik für einen einzelnen Spieler (Individualtaktik), die Taktik für einen Teil der Mannschaft (Gruppentaktik) und der gesamten Mannschaft (Mannschaftstaktik) zusammenpassen. Die richtige Fußballtaktik spielt im modernen Fußball eine immer größere Rolle und hängt von vielen Faktoren ab. Auf jeden Fall aber gibt die Taktik, vor Allem nach dem Spiel jede Menge Diskusionsstoff her. Die Fußballtaktik beider Mannschaften wird nach jedem Spiel von vielen "Fachleuten" in alle Einzelteile zerlegt und milimetergenau analysiert.
Die Fußballtaktik im Wandel der Zeit
Seit der moderne Fußball rollt ist das Ziel immer gleich: Mehr Tore zu schießen und weniger zu kassieren als der Gegner. Um dieses Ziel zu erreichen, haben sich die verschiedenen Strategien im Laufe der Zeit oft verändert.
Es gibt nicht "die eine Fußballtaktik"
Viele große Fußballtrainer und auch Fußballspieler haben bei der Suche nach der richtigen und erfolgversprechenden Fußballtaktik ihre Ideen verwirklicht und durchgesetzt. Oft wurde dadurch der Fußball über mehr oder weniger lange Zeit geprägt.
Alcock System
Am Anfang gab es eine ganz einfache Taktik. Fußball wurde nur mit Stürmern gespielt und auf Verteidiger wurde verzichtet. Erst Charles William Alcock (1842-1907) entwickelte ein System mit Mittelfeldspielern und Verteidigern. Der Wanderers FC spielte Alcocks System, es war ballorientiert und erfolgreich. Die Wanderers gewannen fünfmal den von Alcock als Verbandssekretär initiierten FA-Cup.
Die Schottische Furche
Ab 1877 wurde das Alcock System weiterentwickelt zur "Schottischen Furche". Dieses System wird oft als das eigentlich erste echte System bezeichnet, als der Anfang der Fußballtaktik. Die schottische Furche ist ein System, welches durch seine Ausrichtung auf das Short-Passing-Game als gewinnbringende Grundidee Wert legt. In diesem System wird ein 2-3-5 gespielt. Durch diese Aufstellung und die damit entstehende dreieckige Form, welche einer Furche ähnelt, bekam das System seinen Namen.
Dieses System würde im heutigen Fußball wohl unweigerlich mit einer Niederlage enden. Der Fußball hat sich weiterentwickelt und mit den heutigen Trainern und Spielern würde darauf wohl direkt eine passende Antwort gefunden werden.
Hier finden Sie Fußball Taktiktafeln und Coach Mappen
Die folgende Fußballtaktik war nicht sehr schön, aber oft erfolgreich
Catenaccio
Catenaccio (ital. „Sperrkette“ oder „Riegel“) , eine Spieltaktik oder Spielsystem das eigentlich nur ergebnisorientiert ausgerichtet , und dabei nicht unbedingt sehr attraktiv ist (war).
Der argentinische Trainer Helenio Herrera gewann mit Inter Mailand drei italienische Meistertitel und zweimal den Europapokal der Landesmeister sowie einmal den Weltpokal mit Catenaccio.
Erfunden hat hat dieses System allerdings nicht Herrera , sondern der Österreicher Karl Rappan in den 1930er Jahren. Das System wurde damals von der schweizer Nationalmannschaft und dem Grasshoper-Club Zürich gespielt.
Es spielen neben dem Torwart vier Abwehrspieler , fünf Mittelfeldspieler und ein Stürmer, oder auch fünf Abwehrspieler , vier Mittelfeldspieler und ebenfalls ein Stürmer. Das Spiel beim Catenattio ist also sehr defensiv ausgerichtet und vom Gegner nur schwer zu überwinden. Die Räume zwischen den einzelnen Spielern werden so eng gemacht, dass ein schnelles Offensivspiel für den Gegner praktisch nicht möglich ist. Die gegnerische Mannschaft öffnet durch ihr Aufrücken Räume in der Abwehr und eröffnet deshalb Möglichkeiten für schnelle Konter. Wenn diese Konter beim Cateaccio auch nicht sehr häufig sind , wenn einmal erfolgreich ist das Spiel oft schon gelaufen.
Wer kennt sie nicht aus früheren Tagen , die berüchtigten 1:0 Siege der Italiener.
Hinten dicht , vorne hilft der liebe Gott !!
Und nach der 1:0 Führung wurde dann Catenaccio extrem gespielt , und das Ziel war dann nur noch das eigene Tor zu verteidigen und das Spiel zu verzögern. Mit einem schönen Fußballspiel hatte das dann eigentlich nichts mehr zu tun.
Im heutigen Fussball gilt Catenaccio nicht mehr modern und auch nicht attraktiv und wird zu Spielbeginn Gott sei Dank sehr selten angewendet.
Der Schalker Kreisel
War das eigentlich eine Fußballtaktik, oder die pure Freude am Spiel?
Kurze direkte Pässe und das aktive Freilaufen der Mitspieler ohne Ball um dem Ballführenden Spieler mehrere Abspielmöglichkeiten zu geben. So sieht ( sah) idealerweise der Schalker Kreisel aus.
Heutzutage also one-Touch-Fussball.
Perfekt wäre es also alle Gegner ausgespielt zu haben und den Ball ins leere Tor zu schieben.
Der Schalker Kreisel wurde in den 1920er Jahren von der Mannschaft des FC Schalke 04 um Ernst Kuzorra und dessen Schwager Fritz Szepan gespielt. Der Begriff Schalker Kreisel ist bis heute nicht nur bei Schalke 04 ein Begriff mit Kultstatus.
Auch die Stadionzeitung des FC Schalke 04 trug bis 2010 den Namen Schalker Kreisel .
Zitat von einem Mitglied dieser Schalker Mannschaft: "Aufs Tor zu schießen und nicht noch einmal abgespielt zu haben ,war verpönt." Oft wurde aber auch trotz Überlegenheit vergessen Tore zu schießen.
In den 1930er und 1940er Jahren wurde Schalke 04 durch diese attraktive Spielweise populär und erfolgreich.
Aus Großbritanien nach Schalke brachten diese Taktik die zwei ausgerechnet in Dortmund geborenen Brüder Hans und Fred Ballmann.
Ernst Kuzorra schuf zusammen mit seinem Schwager Fritz Szepan den Schalker Kreisel.
Friedrich Hermann Sczepan (* 2. September 1907 in Gelsenkirchen; † 14. Dezember 1974) wurde allgemein Fritz genannt
In den 1930er Jahren war Szepan einer der besten Fußballspieler Deutschlands. Als Kapitän der Nationalmannschaft nahm er an zwei Weltmeisterschaften teil (1934 und 1938). Er wurde mit Schalke 04 6x Deutscher Meister.
Später war er Trainer und auch Präsident für Schalke 04
Ernst Kuzorra (* 16. Oktober 1905 in Gelsenkirchen; † 1. Januar 1990)
Ernst Kuzorra spielte in den 1920er bis 1940er Jahren für den FC Schalke 04 und wurde sechsmal Deutscher Meister .
Er beendete seine Laufbahn als Spieler 1950 mit 45 Jahren.
Hier finden Sie Fußball Trainingsbedarf für modernes Fußballtraining
Das WM System, oder 3-2-2-3 System..
..ist eine Weiterentwicklung des Systems "Schottische Furche". Der Name WM leitet sich von der Formation ab, die die Spieler in ihrer Grundposition auf dem Spielfeld bilden, und die dem Schriftbild der Großbuchstaben W und M ähnelt:
Das W bildet sich dabei aus:
dem vorgeschobenen Mittelstürmer
den zurückhängenden linken und rechten Halbstürmern
den vorgezogenen linken und rechten Außenstürmern
Das M bildet sich dabei aus:
dem zurückhängenden Mittelläufer (ähnlich dem Libero, dem letzten Mann vor dem Torwart)
den meist defensiv agierenden linken und rechten Verteidigern
den offensiver agierenden linken und rechten Außenläufern
Bild stammt von San Andreas
Das WM-System ist durch eine starre Vergabe der Positionen auf dem Spielfeld geprägt. So beteiligten sich die Verteidiger selten am Angriffsspiel und die Stürmer begaben sich selten in die Verteidigung. Der Spielaufbau wurde wesentlich durch die Halbstürmer und Außenläufer bestimmt, die man heute dem Mittelfeld zuordnen würde. Hennes Weisweiler betont aber ausdrücklich: „Im Spiel selbst war alles im Fluß.“[1] Im Angriff schließen die Halbstürmer auf, wechseln die vorgeschobenen Spitzen ihre Positionen, keiner ist an seinen Posten gebunden. Trotzdem darf es kein sinnloses Durcheinander sein. Oberster Grundsatz: alles wechselt und wirbelt, aber jede Angriffsposition ist besetzt. In der Abwehr schließen wir uns ebenfalls zusammen, das verlangt eine kluge Abwehr, die nicht nur stets den Mann deckt, sondern laufend zwischen Mann- und Raumdeckung wechselt. Beim Angriff des Gegners deckt ein Verteidiger, je nachdem auf welcher Seite der Ball läuft, den Außen auf Tuchfühlung, der andere Verteidiger aber steht im gefährlichen Raum vor seinem Tor[2].
Das System wurde von Herbert Chapman, ehemals Trainer des FC Arsenal, entwickelt. Er zog den offensiven Mittelläufer zurück, um den freien Lauf und Torschuss des Mittelstürmers zu stoppen. Der Stopper war geboren.[3]
1954 wurde Deutschland mit diesem Spielsystem Fußball-Weltmeister. Eine Besonderheit war aber im Endspiel gegen Ungarn dabei die taktische Aufgabe der zwei Spieler Horst Eckel und Werner Liebrich im grundsätzlich praktizierten WM-System. Nándor Hidegkuti war offiziell Mittelstürmer und Ferenc Puskás linker Halbstürmer. Waren diese Spieler auf den angestammten Positionen, so waren sie von Eckel (rechter Außenläufer gegen Puskás) und Liebrich (Mittelläufer gegen Hidegkuti) zu bekämpfen. Ließ sich der „verdeckte Spielmacher“ Hidegkuti aber in das Mittelfeld zurückfallen und Puskás hielt sich im torgefährlichen Raum auf, so hatten die Aufgaben zwischen Eckel und Liebrich zu wechseln: Eckel hängte sich im Mittelfeld an Spielmacher Hidegkuti und Liebrich übernahm den Torjäger Puskás.
In der heutigen Zeit spielt man wesentlich flexibler, so sind das 4-4-2–System (mit Mittelfeldraute) und das 4-2-3-1–System weit verbreitet. Das 3-4-3–System ist dem WM-System nicht unähnlich. (Text in großen Teilen aus Wikipedia)
Sie wollen mehr über Fußball wissen